Bloody Rain in der Presse

Datum
20.09.2000
Name
Rheinischer Anzeiger, Dormagen
Text

550 Besucher sorgten für einen Erfolg
Heimische Bandszene traf sich auf dem "Newcomer-Festival"


Dormagen (am) – Totgesagte leben bekanntlich länger – die heimische Bandszene scheint jedenfalls lebendiger als ihr Ruf zu sein. Denn erneut folgten zehn Bands der Einladung der Stadt Dormagen, am "Newcomer-Festival" in der "Kulle" teilzunehmen. Insgesamt rund 550 Zuschauer sorgten außerdem an den beiden Tagen dafür, dass die Musikveranstaltung als Erfolg verbucht werden konnte. Den Auftakt bestritt die Formation "Triptec" gleich mit einer kleinen Überraschung. Als einzige Band verzichteten die drei Musiker, die ihre Musik als "New Noise Metal" beschreiben, auf einen Schlagzeuger. Der Rhythmus kam vielmehr vorgefertigt aus dem Drumcomputer und bildete zusammen mit aggressiven Synthesizereffekten einen dichten Klangteppich. Darauf bauten kräftige Powerchords und ein wuchtiger Bass auf, kontrastiv dazu der fast atmosphärische Gesang von Lea Kindervater, die trotz erkältungsgeplagter Stimme voll überzeugte.

Nach diesem fulminanten Start hatte es die folgende Band "Gentle Soul" schwer, das Niveau zu halten. Die "Alternative Rock"-Band hatte mit Abstimmungsproblemen zu kämpfen, sorgte aber mit einer Akustikeinlage inklusive Querflöte (Margit Blömacher) für sonst auf dem Festival eher selten gehörte ruhigere Töne. Mit "Sidesho" ging im Anschluss daran wieder richtig die Post ab. Die vier Musiker, die sich mit ihrem "Post Rock Grungelism" erfolgreich jeder Einordnung in eine Stilschublade widersetzen, überzeugten mit abwechslungsreichen, durch und durch kraftvollen Songs und dem gekonnt-routinierten Gesang von Rick Scheuß.

Danach ging es mit der nach eigenen Angaben "ersten Girl-Group" Dormagens weiter. Die fünf jungen Musikerinnen von "Cobweb" boten auf dem sonst männlich dominierten Festival etwas fürs Auge und sorgten überwiegend mit bekannten Coversongs für gute Stimmung im Publikum. So verzieh dieses auch kleine Unsicherheiten. Als letzte Band des Abends hatte es die "Heavy Metal"-Formation "Bloody Rain" recht schwer, gegen die allgemeine Aufbruchsstimmung
anzukämpfen. So nahm
   
Sänger Jens Krücken selbst den Weg von der Bühne ins Publikum in Kauf, um die Zuschauer zum Mitsingen zu bewegen. "Die Jungs haben eine gute Show geboten, schade, dass so wenige Zuschauer bis zum Schluß geblieben sind", meinte Patrick Böttger, der eigens aus Bedburg gekommen war, um sich den Auftritt der Band anzusehen.

"Follower" eröffneten den zweiten Tag des Festivals mit einer gefälligen Mischung aus Grunge, Hardcore und Punkrock als wirkliche Newcomer. Für die drei Musiker war es der erste öffentliche Auftritt, den sie mit einer soliden Show erfolgreich absolvierten. Eine weitere gelungene Live-Premiere folgte gleich im Anschluss. "Taufrisch" wie ihr Name, nämlich nur etwa drei Monate nach ihrer Gründung, präsentierte sich die Band "Dew", die sich selbst in die Richtung "Rock n’ Roll" einordnen, auf der Bühne aber eine deutlich härtere Gangart vorlegten. Mit von der Partie war unter anderem Schlagzeuger Andreas Dorn, der auch das Festival moderierte.

"No Mids" sind in Dormagen und Umgebung längst keine Unbekannten mehr, und mit ihrer Bühnenshow festigten sie danach wieder ihren Ruf als Ausnahmemusiker. Vor begeistertem Publikum spielten sie ihre Songs, die von ihnen selbst treffend als "von ‚Korn’ infizierter Wahnsinn, der mit ‚Silverchair’ geheilt wird" beschrieben werden, mit vollem körperlichem Einsatz. Sänger und Gitarrist Guido Mauß rannte mitten in einem Song mitsamt Instrument quer durch die ganze Halle, als würde er dafür Kilometergeld bekommen.

Es folgte die Formation "Hybriz", die mit kraftvollem Hardcore für gute Stimmung sorgte, auf Dauer aber etwas Abwechslung in den Songs vermissen ließ. Den Abschluss des gelungenen Festivals übernahmen die vier Musiker von "Room 4", die sich auch noch in ihrem Gründungsjahr befinden. ihre Musik, die "irgendwo im Bereich Rock" anzusiedeln sei, zeichnete sich durch die Kombination harter Gitarrenriffs mit ungewöhnlichen Harmonien aus. Der Auftritt wirkte professionell und konnte die Zuschauer bei Laune halten.

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